Nachruf für Prof. Dr. Erhard Bibus

Wir trauern um Prof. Dr. Erhard Bibus, dem ehemaligen Inhaber der Professur für Geoökologie und Quartärforschung an der Eberhard Karls Universität Tübingen. Erhard Bibus verstarb am 05.07.2026 in Mössingen im Alter von 83 Jahren

 

Erhard Bibus wurde während des Krieges am 18. April 1943 in Teplitz, Böhmen, geboren. In Frankfurt/Main studierte er Geographie, Geologie, Bodenkunde und Germanistik und schloss dort im Jahr 1971 seine Dissertation mit dem Titel „Zur Morphologie des südöstlichen Taunus und seines Randgebietes“ ab. Seine wissenschaftliche Ausbildung in der Physischen Geographie wurde maßgeblich von Arno Semmel und Herbert Lehmann begleitet, woraus sich seine Schwerpunkte in der Bodengeographie und der Geomorphologie entwickelten. Die Habilitation (1979) im Fach Physische Geographie befasst sich mit der Relief-, Boden- und Sedimententwicklung am unteren Mittelrhein. 1981 folgte Erhard Bibus dem Ruf auf die Professur für Physische Geographie (Geoökologie und Quartärforschung) nach Tübingen. Zudem engagierte er sich viele Jahre als freiwilliger, ständiger Mitarbeiter für Quartärgeologie und Bodenkunde am LGRB Baden-Württemberg. Sein großes Engagement in der Quartärforschung und Lössstratigraphie, hat dazu geführt, dass er im Jahr 2013 die DEUQUA-Ehrenmitgliedschaft erhielt. Erhard Bibus war darüber hinaus der AG Paläopedologie der Deutschen Bodenkundlichen Gesellschaft (DBG) sowie der AGAQ, Alpenvorland-Quartär, sehr verbunden.  Als Forscher und Lehrer hat er es verstanden, Bodengenese, quartäre Sedimente, Landschaftsgenese bis hin zu angewandten Fragestellungen tiefgreifend miteinander zu verbinden. Seine Schüler erinnern sich an Vorlesungen mit beeindruckenden, Tafel-füllenden Landschaftsskizzen zum Untergrund, zur Morphologie und zur Nutzung von Landschaften.

 

Der Schwerpunkt seiner wissenschaftlichen Tätigkeit lag in Deutschland: im Taunus, am Mittelrhein, im Rhein-Neckargebiet, in der Umgebung von Tübingen, im Alpenvorland und an der Schwäbischen Alb. Bodengenetische Fragestellungen und der Themenbereich der ‚periglazialen Lagen‘ sind untrennbar mit seinem Namen verbunden. Seine Kenntnisse über Böden führten weiterhin zu fundierten geoökologischen Studien mit angewandten Fragestellungen. Auch zur Rutschungsforschung, hier vor allem an der Schwäbischen Alb, konnte er maßgeblich beigetragen und in diesem Kontext zahlreiche Forschungsprojekte initiieren, wie z. B. innerhalb des DFG-Verbund MABIS (Massenbewegungen in Süd- und Westdeutschland). Während seiner beruflichen Tätigkeit warb er zahlreiche DFG-Projekte ein und war am SFB 275 ‚Klimagekoppelte Prozesse in meso- und känozoischen Geoökosystemen‘ beteiligt.

 

Erhard Bibus war ein hervorragender Hochschullehrer und Forscher und unverrückbar mit seinem Schwerpunkt in der Geländearbeit verbunden. Er verstand es, Studierenden und Graduierten die Begeisterung für Geländestudien zu vermitteln.

 

Wir werden ihm ein ehrendes Gedenken bewahren!

 

Birgit Terhorst, Würzburg