Mitteilungen - Archiv 2015


DEUQUA-Tagung 2016 in Dresden

25.09. bis 30.09.2016

 

Unter dem Motto "Übergänge im Quartär" findet vom 25.09. bis 30.09.2016 die Deutsche Quartärtagung (DEUQUA) in Dresden statt.

 

Informationen über den Ablauf der Tagung, das Rahmenprogramm und die Kosten finden Sie auf der Tagungs-Homepage der Technischen Universität Dresden. Online-Anmeldungen werden ab Mitte Dezember 2015 möglich sein. Bitte beachten Sie hierzu die Tagungs-Homepage.

 

INQUA Peribaltic Meeting - Ankündigung

The next Inqua Peribaltic meeting will be in the Netherlands 2-8 November, 2015.

 

The Meeting of the Working Group will start and end in Utrecht. In between we will visit one of our Islands in the northern part of the Netherlands, the Geopark de Hondsrug, the IJsselvalley, the International Soilmuseum in Wageningen, Saalian Push Moraines and The Dutch Geological Survey.

 

Talks and poster sessions will be in Assen, at the Provincehouse of Drenthe and will be focussed on four themes:

  • North Sea and Baltic Coasts
  • Periglacial Landscapes
  • Glaciated landscapes and their hydrology
  • Human Impact on Landscape in Past and Present

As part of the excursion and conference programme, additional talks will be scheduled on:

  • Science and Policy implementation
  • Geoheritage sites in practice
  • Applied Quaternary Geology

We will offer you a good impression of themes of Earth Sciences and of course our Dutch landscapes and cultural habits. We hope to meet you coming year.

 

On behalf of the organizing committee, Kim Cohen, Wim Hoek, Enno Bregman, Freek Busschers, Lena Smit and Judith Anneveldt we welcome you in The Netherlands.

 

Will you have a look at our website: www.provincie.drenthe.nl/inqua?

Hugo Obermaier-Förderpreis 2016

Zum sechsten Mal schreibt die Hugo Obermaier-Gesellschaft einen Förderpreis aus in Höhe von 5000,- Euro.


Mit diesem Preis sollen den Zielen der Gesellschaft entsprechend Grabungs- und Forschungsprojekte im Bereich der Alt- und Mittelsteinzeit unterstützt werden. Ein interdisziplinärer Ansatz ist dabei erwünscht. Die Mittel sollen für Sachkosten eingesetzt werden. Zur Bewerbung aufgerufen sind Masterstudentinnen und Masterstudenten sowie Doktorandinnen und Doktoranden, die mit Hilfe des Förderpreises ein eigenes Projekt durchführen wollen und können.


Weitere Informationen stehen als PDF zum Download zur Verfügung.


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DEUQUA Exkursion 21.-23.09.2015

Die Exkursion führt ins Allgäu und angrenzende Gebiete, in denen vor über 100 Jahren die sogenannte Alpine Morphostratigraphie entwickelt wurde, welche die klassische Gliederung des Quartärs in Eiszeiten (Günz, Mindel, Riss,Würm) und Interglaziale (Riss/Würm etc.) beinhaltet und seither in eine moderne Chronostratigraphie weiter entwickelt wurde.  Dem gegenüber steht eine regionale Lithostratigraphie, die auf Erosion-Akkumulations-Zyklen beruht. Beide Ansätze werden dargestellt und diskutiert. – Die Exkursion wird geführt durch Bernhard Lempe (TU München), Ulrike Wielandt-Schuster und Dietrich Ellwanger (beide LGRB Freiburg).

 

Die Exkursion beginnt am Montag, den 21.9. um 9:00 am Bahnhof Memmingen und endet dort am Mittwoch, den 23.9. um spätestens 16:00 Uhr. Der Exkursionsbeitrag beinhaltet die Unkosten für den Transport in Kleinbussen sowie zwei Übernachtungen in Doppelzimmern. Er beträgt EUR 150,- für DEUQUA-Mitglieder bzw. EUR 190,- für Nichtmitglieder. Optional können Einzelzimmer (plus EUR 30,-: solange das stark begrenzte Angebot reicht) sowie Halbpension (plus EUR 30,-: Buffet mit lokalen Spezialitäten) hinzugebucht werden. Studentische Mitglieder der DEUQUA erhalten einen Reduktion von EUR 60,- , finanziert durch die Nachwuchsförderung der DEUQUA.


Das Platzangebot ist begrenzt und die Vergabe erfolgt in Reihenfolge des Eingangs der Anmeldungen. Bitte schicken Sie eine E-Mail mit ihren Buchungswünschen bis 30. Juni 2015 an: frank.preusser@geologie.uni-freiburg.de


Weitere Informationen stehen auch als PDF als Download zur Verfügung.


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Abb. 1: Aufgelassener Steinbruch bei Untersteinbühl
Abb. 1: Aufgelassener Steinbruch bei Untersteinbühl: Geologische Orgeln in einem um 90° verkippten Sturzblock aus den mindelzeitlichen, zu Konglomeraten verfestigten Schmelzwasserschottern des Grönenbacher Feldes.
Abb. 2: Ziegelberger Trompetental
Abb. 2: Ziegelberger Trompetental: Talgrund des Trompetentales, das im Rückzugshalt bei Käsers wurzelt; im Hintergrund Erosionskante im Schotterkörper des würmzeitlichen Maximalstandes

Einladung zur AGAQ 2015 (01.05.-03.05.2015)

 

Einem Vorschlag von Markus Fiebig folgend wird das diesjährige Treffen der Arbeitsgemeinschaft Alpenvorland Quartär im Tiroler Inntal stattfinden und wir laden Sie/Euch dazu herzlich ein. Wir sind dabei ein interessantes Tagungsprogramm (Vorträge und Exkursionen) zusammenzustellen und auch diejenigen, die die DEUQUA Tagung in Innsbruck letzten Herbst besucht haben, werden einiges Neues zu hören und sehen bekommen. Das Treffen haben wir in eine ländliche (und selbstverständlich auch Quartär-geprägte) Gegend östlich von Innsbruck verlegt, wo sowohl für ein entspanntes Ambiente als auch für das leibliche Wohl gesorgt ist.

 

Auf ein Wiedersehen im Mai freuen sich die Organisatoren

 

Christoph Spötl, Michael Meyer, Reinhard Starnberger, Samuel Barrett

 

Weitere Informationen im 1. Zirkular als PDF


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DEUQUA 2014 in Innsbruck

Ein Teil der Tagungsteilnehmer der 37. Hauptversammlung der DEUQUA in Innsbruck. (Foto: C. Spötl)
Ein Teil der Tagungsteilnehmer der 37. Hauptversammlung der DEUQUA in Innsbruck. (Foto: C. Spötl)

Ende September fand in Innsbruck die 37. Hauptversammlung der Deutschen Quartärvereinigung (DEUQUA) in den Räumen der Universität statt. Die Tagung und Exkursionen wurden von Christoph Spötl und seinem Team ausgezeichnet organisiert. Die Veranstaltung war mit rund 120 Teilnehmern sehr gut besucht.

Ende September fand in Innsbruck die 37. Hauptversammlung der Deutschen Quartärvereinigung (DEUQUA) in den Räumen der Universität statt. Die Tagung und Exkursionen wurden von Christoph Spötl und seinem Team ausgezeichnet organisiert. Die Veranstaltung war mit rund 120 Teilnehmern sehr gut besucht.

Im Foyer des Universitätsgebäudes fand am ersten Abend die traditionelle Icebreaker-Party statt, die von den Teilnehmenden für erste Gespräche genutzt wurde.

Am folgenden Tag wurde die DEUQUA-Hauptversammlung vom Tagungsleiter Christoph Spötl offiziell eröffnet. Insgesamt gab es ein breites Vortragsprogramm, dessen Schwerpunkt natürlich im Alpenraum und hier speziell im Würm-Glazial sowie im Holozän lag. Zu folgenden Themenreichen gab es Vortragsblöcke, die jeweils mit Keynote-Vorträgen eingeleitet wurden:

  • Die Alpen im Holozän
  • Die Alpen im Pleistozän
  • Gebirgspermafrost
  • Fortschritte in der Quartärstratigraphie
  • Rekonstruktion quartärer Umweltbedingungen
  • Angewandte Aspekte der Quartärforschung
  • Open Session

Begleitet wurden die Vorträge durch eine umfangreiche Posterausstellung. Die Kurfassungen der Tagungsbeiträge sind in der Conference Series der Universität Innsbruck (ISBN 978-3-902936-50-9) erschienen sowie unter www.uibk.ac.at/iup/buch_pdfs/deuqua_2014.pdf frei zugänglich.

Nach dem ersten Vortragstag fand die Mitgliederversammlung statt, auf der für den Zeitraum 2015 bis 2018 ein neuer Vorstand gewählt wurde. Neuer Präsident der DEUQUA wird Frank Preusser (Stockholm/Freiburg). Im Rahmen der Mitgliederversammlung wurden zwei Woldstedt-Preise für herausragende Qualifikationsarbeiten aus dem Bereich der Quartärwissenschaften an Andrea Schneider (Tromsø) sowie Max Engel (Köln) vergeben. Weiterhin wurde Wolfgang Poßin (Hagenburg) mit der Ehrenmitgliedschaft der DEUQUA ausgezeichnet.

Nach einer beeindruckenden Seilbahnfahrt auf eine Höhe von 1905 m ü. d. M. fand im Restaurant Seegrube oberhalb von Innsbruck am Abend des zweiten Vortragstages im festlichen Rahmen das Conference-Dinner statt. Höhepunkt dieser gelungenen Veranstaltung war die Überreichung der Albrecht-Penck-Medaillen für hervorragende wissenschaftliche Verdienste für die Quartärforschung an Ruth Drescher-Schneider sowie Klaus-Dieter Jäger durch die Präsidentin der DEUQUA, Margot Böse (Berlin). Im Rahmen der Festveranstaltung wurden auch zwei Preise für ausgezeichnete Poster vergeben. Diese Preise haben Simon Matthias May (Köln) et al. zum Thema „Typhoon Haiyan‘s coarse-clast record and its significance for palaeo-event research“ sowie Zhijun Wang (Innsbruck) et al. für das Poster mit dem Titel „A multidisciplinary approach to understand fluvial terrace formation and concomitant travertine deposition at Tirthapuri, western Tibet” erhalten.

Ein umfangreiches Vor- und Nachexkursionsprogramm rundeten die DEUQUA-Tagung ab:

Eine Exkursion führte bei schönstem Spätsommerwetter in den Norden von Innsbruck zu ausgewählten Aufschlüssen der Höttinger Brekzie. Unter der Leitung von Diethard Sanders führte die Exkursionsroute über die am „Engländergrab“ aufgeschlossenen, vermutlich letztglazialen Deltasedimente vorbei zunächst zum Lepsiusstollen. Dieser Stollen wurde vor 101 Jahren im basalen Kontaktbereich der Roten Höttinger Brekzie mit einem liegenden Geschiebemergel zu Forschungszwecken angelegt und bietet noch heute einen hervorragenden Einblick in diese stratigraphisch bedeutsame Grenzfläche. Die stratigraphische Stellung und geochronologische Einordnung der Höttinger Brekzie wurde dann auch am Schlusspunkt der Exkursion im früheren Mayr’schen Steinbruch ausgiebig diskutiert. Aufgrund des großen Interesses wurde die Exkursion zur Höttinger Brekzie während der Tagung ein zweites Mal abgehalten (Leitung Christoph Spötl).

Hanns Kerschner erläutert die geologische Entwicklung zur Zeit des Gschnitz-Stadiums. (Foto: S. Wansa)
Hanns Kerschner erläutert die geologische Entwicklung zur Zeit des Gschnitz-Stadiums. (Foto: S. Wansa)

Eine weitere Exkursion führte in die Region um Baumkirchen, ca. 15 km östlich von Innsbruck. Hier ist im Bereich der Gnadenwald-Terrasse eine ungefähr 250 m mächtige oben-grob Sequenz nachgewiesen. Unter der Leitung von Christoph Spötl führte die Exkursion zunächst in die Tongrube Baumkirchen, in deren Bereich ein Teil der lakustrinen Bänderschluffe der Abfolge aufgeschlossen ist. Christoph Spötl, Reinhard Starnberger und Samuel Barrett gaben den Exkursionsteilnehmern an dieser Stelle einen Überblick über neueste Forschungsergebnisse, die an mehreren Forschungsbohrungen gewonnen werden konnten. Der Fokus lag hierbei besonders auf neuen Erkenntnissen zur Sedimentologie und Geochemie, sowie der chronostratigraphischen Einordnung der Sedimentsequenz mittels Lumineszenz- und Radiokohlenstoff-Datierungen. Anschließend wurde die Absamer Kiesgrube besucht, in deren Abbauwand der obere Abschnitt der Sequenz aus Sanden, glazifluviatilen Kiesen und schließlich einem mächtigen würmzeitlichen Till aufgeschlossen ist.

Das Rosenheimer Becken am Alpennordrand war Ziel der von Martin Herz, Maria Knipping und Ernst Kroemer geleiteten Exkursion. Vom Aussichtspunkt Törwang bot sich ein beeindruckender Blick in das Becken. Nach einem geologischen Überblick und einer Einführung in die Morphogenese des Exkursionsgebietes standen die Seesedimente des eemzeitlichen Samerberg-Profils im Mittelpunkt. Anschließend wurden die spätglazialen Deltaablagerungen des spätwürmzeitlichen Rosenheimer Sees in der Kiesgrube Grad westlich von Flintsbach vorgestellt. Während diese Kiese und Sande als Lockergestein vorliegen, sind die Komponenten der rißzeitlichen Deltaschüttungen miteinander verkittet. Sie werden als Werksteine im Steinbruch Grad Nagelfluhwerk Brannenburg abgebaut. In einem zweiten angrenzenden Steinbruch war das Topset dieser Delta-Konglomerate eindrucksvoll aufgeschlossen. Einr Höhepunkt dieser Exkursion bildete das Interglazial von Höhenmoos, das in einem Bachanschnitt in einem durch Rutschungen geprägten Relief aufgeschlossen ist. Die bis zu 5 m mächtigen Seesedimente wurden in jüngster Vergangenheit pollenanalytisch intensiv untersucht. Nach derzeitigem Stand ist ein mittelpleistozänes Alter, möglicherweise eine Korrelation mit MIS 7, wahrscheinlich.

Das Kaunertal war das Ziel einer von Kurt Nicolussi und Hanns Kerschner geführten Exkursion. Im Rahmen dieser Wanderexkursion wurden die Sedimente der spätglazialen und holozänen Vorstöße des Gepatschferners sowie dendrochronologische Bearbeitungen von Zirbelkiefer-Baumstämmen erläutert. Weiterhin diskutierten die Teilnehmer die Genese des Ölgruben-Blockgletschers.

Eine weitere Exkursion unter Leitung von Hanns Kerschner führte nach Trins im Gschnitztal. Hier bildet die Trinser Moräne einen unübersehbaren Wall, der den Talgrund quert und sich an den Hängen talaufwärts verfolgen lässt. Diese Moräne gilt als Typlokalität des Gschnitz-Stadiums, dessen zeitliche Einordnung lange unklar war. H. Kerschner erläuterte die Forschungsgeschichte aus eigener Erfahrung und stellte den aktuellen Forschungsstand vor, der insbesondere auf Expositionsdatierungen beruht. Demnach ist das Gschnitz-Stadium ca. 17 ka alt und somit etwas älter als bisher angenommen. Die gelungene Tour wurde durch Birgit Terhorst und Bodo Damm mit der Präsentation eines holozänen bis spätglazialen Sediment-Boden-Komplexes auf dem Moränenwall komplettiert.

Die postglaziale Gletscher- und Klimaentwicklung der Venedigergruppe war das Exkursionsziel einer anderthalbtägigen Exkursion, die von Gernot Patzelt geführt wurde. Das phantastische Wetter, die eindrucksvolle Umgebung im Bereich des Schlatenkees sowie die Präsentation der langjährigen Forschungsergebnisse werden allen Exkursionsteilnehmer in Erinnerung bleiben. Die Untersuchungen zur holozänen Gletscher- und Waldgrenzenentwicklung zeigten weiterhin mit Hilfe von dendrochronlogischen Untersuchungen, dass die holozäne Waldgrenze teilweise bei rund 2.600 m ü. d. M. gelegen hat.

Das Ziel der Exkursion ins Fotschertal im Sellrain war, den „Mesolithikern“ und ihrer Kultur auf die Spur zu kommen. Dieter Schäfer stellte mit großem Enthusiasmus die Ergebnisse von 20 Jahren Forschung an der auf 1860 m gelegenen Fundstelle Ullafelsen vor. Schon das Auffinden dieses Platzes seitens der Forscher erscheint einem Außenstehenden zuerst wie ein Wunder. Nach der lebhaften Erläuterung der mesolithischen Jagdmethoden war die Wahl dieser den Talabschnitt beherrschenden Lokalität seitens der steinzeitlichen Jäger absolut nachvollziehbar und man verstand die systematische Herangehensweise der Hochgebirgsarchäologie. Über die Funde von Mikrolithen (Silex) und deren vielfältige Herkunft zeigte Stefano Bertola welche Verkehrsrouten zwischen dem Südrand der Fränkischen Alb und dem Südrand der Alpen existiert haben müssen. Die Fundsituation in Relation zur Genese der einzelnen Bodenhorizonte wurde von Clemens Geitner vorgestellt und daraufhin ausführlich diskutiert.

Christoph Prager und Marc Ostermann stellten auf ihrer Exkursion Ursachen, Bewegungsverhalten und Auswirkungen holozäner Großhangbewegungen im Ablagerungsgebiet des Tschirgant-Bergsturzes am Kalkalpen-Südrand, im nördlichen Ötztal-Kristallin die Bergsturz-Gebiete von Habichen und Tumpen sowie die riesige Felsgleitung von Köfels vor.

Zum Abschluss der DEUQUA-Tagung 2014 führte die Exkursion vom „Vorderriss zum Großen Ahornboden“ ins Herz des Karwendel-Gebirges. Christoph Spötl, David Mair und Reinhard Starnberger zeigten in verschiedenen Aufschlüssen die Sedimentationsgeschichte des Rissbachs, einem Seitental der Isar. Hier werden mehrere Stausituationen mit laminierten Sedimenten durch grobklastische Abfolgen getrennt.

Die Exkursionen bilden traditionell einen wichtigen Teil der DEUQUA, so dass es sehr erfreulich ist, dass von Hanns Kerschner, Karl Krainer und Christoph Spötl ein umfangreicher Exkursionsführer herausgegeben worden ist. Dieser ist bei Geozon Science Media in der Reihe „DEUQUA Excursions“ unter dem Titel „From the foreland to the Central Alps – Field trips to selected sites of Quaternary research in the Tyrolean and Bavarian Alps“ erschienen und kann dort als gedruckte Version (ISBN 978-3-941971-10-3) zum Preis von 34,- € gekauft oder unter www.geozon.info/publikationen als PDF heruntergeladen werden. Daher bietet sich nun allen Interessierten die einmalige Möglichkeit, verschiedene Exkursionsrouten anzufahren und die aktuellen Forschungsergebnisse im zentralen Alpenraum zu erkunden.

Christian Hoselmann (Wiesbaden), Christopher Lüthgens (Wien), Jürgen Reitner (Wien), Herbert Röhm (Hannover), Stefan Wansa (Halle/Saale) & Michael Weidenfeller (Mainz)

Exkursionsgruppe am Schlatenkees im Gebiet der Venedigergruppe (Nationalpark Hohe Tauern). (Foto: A. Fischer)
Exkursionsgruppe am Schlatenkees im Gebiet der Venedigergruppe (Nationalpark Hohe Tauern). (Foto: A. Fischer)

79. Jahrestagung der Arbeitsgemeinschaft Norddeutscher Geologen, 26.-29.5.2015 in Güstrow

Das Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie Mecklenburg-Vorpommern (LUNG M-V) wird die 79. Jahrestagung der Arbeitsgemeinschaft Norddeutscher Geologen traditionell in der Woche nach Pfingsten in der Barlachstadt Güstrow ausrichten.

Nach 1992 (Klein Labenz) und 2003 (Neubrandenburg) freut sich der Geologische Dienst Mecklenburg-Vorpommern, diese traditionsreiche Veranstaltung zur Norddeutschen Geologie im zentralen Mecklenburg ausrichten zu können.

Der festliche Abendvortrag wird am 26.5. im historischen Ambiente der Altstadt von Güstrow von Prof. Dr. Jan Harff gehalten. Die zentrale Vortragsveranstaltungen und Posterpräsentationen finden am 27.5. in der Fachschule für Öffentliche Verwaltung, Polizei und Rechtspflege statt. Am 28.5. stehen in drei Tagesexkursionen die geologischen Verhältnisse im zentralen Mecklenburg vor dem Hintergrund neuer Ergebnisse der Landesaufnahme im Fokus. Die lokale Geologie der Stadt Güstrow wird am Freitag, dem 29.5. bei themenbezogenen Halbtagsexkursionen zur historischen Altstadt mit dem schönen Renaissanceschloss sowie zur touristischen Erlebniswelt rund um den Inselsee vorgestellt.

Weitere Details zur Tagung finden Sie auf dem beiliegenden Flyer.

Aktuelle Ankündigungen und das Anmeldeformular zur 79. Tagung werden auf den Internetseiten des LUNG M-V (www.lung.mv-regierung.de) und der ARGE der Norddeutschen Geologen (www.arge-ndg.de) publiziert. Direkte Nachfragen zur Organisation der Tagung können an untenstehende Adresse gerichtet werden.

Andreas Börner (Güstrow)

 

Kontakt:

Dr. Andreas Börner

Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie Mecklenburg-Vorpommern

Goldberger Straße 12,

18273 Güstrow

Tel.: +49 (0) 3843 777 401

Fax: +49 (0) 3843 777 9401

E-Mail: andreas.boerner@lung.mv-regierung.de


Lake Van Deep Drilling Project PALEOVAN (ICDP)

Seismische Linien (850 km) und vorgeschlagene ICDP Bohrlokalitäten. NB: Northern Basin Site, AR: Ahlat Ridge Site; LL-1, LL-2: Lake Level Sites, EX: Extrusion Site. NB und AR wurden während der ICDP Kampagne 2010 gebohrt (nach Litt et al., 2009).
Seismische Linien (850 km) und vorgeschlagene ICDP Bohrlokalitäten. NB: Northern Basin Site, AR: Ahlat Ridge Site; LL-1, LL-2: Lake Level Sites, EX: Extrusion Site. NB und AR wurden während der ICDP Kampagne 2010 gebohrt (nach Litt et al., 2009).

Lange kontinentale Sedimentfolgen, insbesondere Seeablagerungen, eignen sich hervorragend als Archive zur Rekonstruktion der Paläoökologie und des Paläoklimas. Deshalb sind sie auch spezielle Ziele des Internationalen Kontinentalen Tiefbohrprogramms (International Continental Scientific Drilling Program - ICDP). Allerdings sind ungestörte, kontinuierliche Folgen sehr selten, insbesondere auch im Nahen Osten.

Der Vansee - auf dem ostanatolischen Hochplateau in der Türkei gelegen - besitzt eine Oberfläche von 3.520 km2, ein Volumen von 575 km3, eine maximale Tiefe von 450 m und eine Länge von 130 km WSW-ENE. Er ist der viertgrößte Endsee und der größte Sodasee der Welt. Innerhalb einer klimatisch sensitiven Region gelegen, repräsentiert er ein erstklassiges kontinentales Klimaarchiv zwischen Schwarzem Meer, Arabischer See und Rotem Meer. Ein internationales Team unter Leitung des Autors initiierte deshalb das PALEOVAN-Projekt im Rahmen des ICDP. Als wissenschaftliche Zielstellung des multidisziplinären Projektes stehen folgende Themen im Mittelpunkt:

1) Multiproxy-Analyse eines langen kontinentalen Paläoklimaarchivs in einer sensitiven semiariden Region

2) Rekonstruktion der Dynamik von Seespiegelschwankungen und des hydrologischen Regimes

3)    Entstehung des Vansees

4)  Untersuchung und Interpretation von organischem Gehalt und von Biomarkern im Sediment als paläoökologische Proxies

5)    Bestimmung von Edelgaskonzentrationen im Porenwasser der Seesedimente zur Analyse des terrestrischen Fluidtransportes

6)    Analyse des regionalen Vulkanismus

7)    Rekonstruktion von seismischer Aktivität in der Vergangenheit

8)    Mikrobiologische Aktivität im Sediment

Während der erfolgreichen ICDP-Bohrkampagne im Sommer 2010 wurden an zwei Schlüssellokalitäten mehrere tiefe Bohrungen abgeteuft. An der für paläoklimatologische Untersuchungen wichtigsten Lokalität, dem sog. Ahlat-Rücken (Wassertiefe ~360 m), konnte ein lückenloses, 220 m mächtiges Sedimentprofil erbohrt werden (siehe Gmit 2012).

Mittlerweile sind die multidisziplinären Forschungsarbeiten an den Kernen so weit fortgeschritten, dass erste Ergebnisse, die in 10 Beiträgen dokumentiert wurden, in einem Sonderband der internationalen Zeitschrift „Quaternary Science Reviews“ Ende des Jahres erscheinen werden (s.u.).

In einem einführenden Artikel geben Litt und Anselmetti als Gasteditoren des Sonderbandes einen Überblick über das PALEOVAN-Projekt, den Verlauf der Geländearbeiten sowie über den Inhalt des Sonderbands.

Die Chronologie der Sedimentfolge vom Vansee wird von Stockhecke et al. diskutiert. Für das Altersmodell wurden XRF-Messungen, organischer Kohlenstoff und Pollen als Proxies genutzt und mit grönländischen bzw. antarktischen Eiskern sowie mit marinen Isotopenstadien synchronisiert. Das Altersmodell wird durch acht unabhängige Ar/Ar-Datierungen an Tufflagen gestützt. Auch der Vergleich der relativen Paläointensität des magnetischen Feldes mit der Referenzkurve (PISO-1500) sowie die Identifikation des Laschamp- und Blake-Events in den Sedimenten des Vansees durch Vigliotti et al. erhöhen die Genauigkeit des Altersmodells, wonach die lakustrinen Ablagerungen des Vansees insgesamt 600.000 Jahre umfassen.

Die pollenanalytischen Daten im Beitrag von Litt et al. zeigen eindrucksvoll den markanten Wechsel zwischen Glazialen und Interglazialen bzw. Stadialen und Interstadialen. Neben dem Holozän konnten sechs weitere Warmzeiten durch eine charakteristische thermophile Waldsteppenvegetation identifiziert werden (MIS 5, 7, 9, 11, 13 und 15), während in den Kaltzeiten Steppen und Wüstensteppen dominieren.

Die Struktur und Dynamik der letzten vier Terminations aus dem Vansee-Rekord wurden detailliert durch Kwiecien et al. studiert. Ein interessantes Muster ist das kohärente Szenario beim Glazial/Interglazial-Wechsel zwischen relativ trockenen kaltzeitlichen und relativ feuchten warmzeitlichen Bedingungen, die sich in verschiedenen biotischen und abiotischen Proxies widerspiegeln.

In einem weiteren paläoökologischen Beitrag des Sonderbands präsentieren Randlett et al. die Verteilung von Alkenonen im Sedimentrekord vom Vansee. Überdies wird die Artenzusammensetzung haptophyter Algen mittels fossiler DNA identifiziert, um den Effekt der zeitlichen Veränderung der Artenkombination auf die Alkenonverteilung und damit auf die Paläotemperatur zu bestimmen.

Seismische Daten wurden bereits im Vorfeld der tiefen ICDP-Bohrungen gesammelt und interpretiert, um geeignete Lokalitäten zu identifizieren. Im QSR-Sonderband wird eine detaillierte seismische Stratigraphie und Faziesanalyse sowie seismische Kernkorrelation durch Cukur et al. präsentiert. Die Daten dienen auch als Basis zur Erfassung der großskaligen sedimentologischen Evolution des Vanseebeckens.

Petrophysikalische und geochemische Signaturen der lakustrinen Sedimente und vulkanischen Ablagerungen vom Ahlat-Rücken wurden durch Wireline Logs von Baumgarten et al. untersucht. Die Studie ermöglicht die Identifikation von lithologischen Abfolgen unabhängig von der Kerngewinnung durch die Bohrung.

Während der Ahlat-Rücken die Entwicklung des tiefen Seebeckens reflektiert, wurden durch die Bohrung im Nordbecken ufernahe, proximale vulkanogene Sedimente erfasst. Die geringere Wassertiefe (245 m im Gegensatz zu 365 m am Ahlat-Rücken) führt auch zu einer höheren Sensitivität in Bezug auf Seespiegelschwankungen. Das Altersmodell und die Korrelation zum Ahlat-Rücken verdeutlichen, dass das 145 m lange Nordbeckenprofil durch höhere Sedimentationsraten charakterisiert ist und die letzten ca. 90.000 Jahre umfasst (Cagatay et al.).

Porenwasser vom Ahlat-Rücken und vom Nordbecken aus frisch gequetschtem Kernmaterial wurden bereits im Basislabor während der Bohrarbeiten analysiert. Die Profile der pH-Werte und der Salinität reflektieren eine hydro-geochemische Entwicklung von einem pH-neutralen Süßwassersee zu einem salinen, hochalkalischen Sodasee. Tomonaga et al. beprobten darüber hinaus zum ersten Mal lange ICDP-Sedimentkerne für Edelgas-Analysen in den Porenwässern. Die Edelgasdaten werden im Kontext der Helium-Produktion, des Transports und Emanation aus der festen Erde sowie in Hinblick auf Veränderungen der vergangenen Umweltbedingungen (Seevolumen, Seespiegelschwankungen, Salinitätsveränderungen) interpretiert.

Die Beiträge des PALEOVAN-Sonderbandes demonstrieren, dass die Sedimentfolge des Vansees ein hervorragendes paläoökologisches und paläoklimatologisches Archiv darstellt, die verdeutlicht, wie die terrestrische Umwelt auf Veränderungen der Atmosphäre, des Ozeans und des globalen Eisvolumens reagieren. Der interdisziplinäre Ansatz bei der Untersuchung der Vanseesedimente ermöglicht somit Einsichten in die Wechselbeziehungen zwischen Geo- und Biosphäre während abrupter Klimaveränderungen. Der Ansatz verdeutlicht aber auch unterschiedliche Reaktionen bzw. Reaktionsgeschwindigkeiten der verschiedenen biotischen und abiotischen Parameter, die als Proxydaten verwendet wurden. Der lange und teilweise jährlich geschichtete Sedimentrekord vom Vansee ist deshalb ein Schlüsselarchiv für das Paläoklima des Quartärs im östlichen Mittelmeerraum. Die geochronologische Präzision auf einer Skala zwischen Jahrtausend bis jährlich erlaubt nicht nur Vergleiche mit der astronomischen Zyklizität, sondern auch mit Klimaevents, die höhere Frequenzen als die Milankovitch-Zyklen aufweisen, wie z.B. die Dansgaard-Oeschger-Ereignisse. Der aus dem Vansee gewonnene Paläoklimarekord umfasst mit 600.000 Jahren eine viel längere Periode innerhalb des Quartärs, als alle bislang bekannten kontinentalen Profile im Nahen Osten.

Der PALEOVAN-Sonderband ist in der Zeitschrift “Quaternary Science Reviews”, Band 104 erschienen: Thomas Litt, Flavio Anselmetti (eds) (2014): Results from the PALEOVAN drilling project: A 600'000 years long continental archive in the Near East.

Thomas Litt (Bonn)