Mitteilungen - Archiv 2014


Subkommission Quartär – Sitzung in Bad Hönningen

Fluviatile Mittelterrassensedimente des Rheins auf devonischem Grundgebirge in einer Kiesgrube bei Ariendorf (unterer Mittelrhein). Foto: C. Hoselmann
Fluviatile Mittelterrassensedimente des Rheins auf devonischem Grundgebirge in einer Kiesgrube bei Ariendorf (unterer Mittelrhein). Foto: C. Hoselmann

Anfang Mai 2014 hat sich die Subkommission Quartär (SKQ) der Deutschen Stratigraphischen Kommission (DSK) zu ihrer jährlichen Sitzung in Bad Hönningen getroffen.

Die Sitzung, an der 19 ordentliche und korrespondierende Mitglieder teilgenommen haben, wurde von Michael Weidenfeller (Mainz) bestens organisiert. Felix Bittmann (Wilhelmshaven) leitete als Vorsitzender der SKQ die Sitzung und berichtete über das Jahrestreffen der DSK, das Ende Februar in Freiburg stattgefunden hat. Ein wichtiger Arbeitspunkt ist die Aktualisierung der Stratigraphischen Tabelle von Deutschland (STD 2015), die zum 35. Internationalen Geologen-Kongress 2016 in Kapstadt (Südafrika) sowie zur ersten Tagung der verschmolzenen DGG/GV in Berlin 2015 neu erscheinen soll. Im Quartär soll in der STD 2015 das Holozän differenziert dargestellt, aktuelle Entwicklungen berücksichtigt sowie wesentliche lithostratigraphische Einheiten integriert werden. Für die weiteren Arbeiten wurden verschiedene Arbeitsgruppen gebildet.

 

Christian Hoselmann (Wiesbaden) berichtete über den Stand der Arbeiten am Lithostratigraphischen Lexikon (LithoLex). Die LithoLex-Datenbank ist seit 2006 online und umfasst derzeit 636 Datensätze, von denen 60 aus dem Quartär sind. Mit monatlich 17.000 bis 27.000 Zugriffen auf die Datenbank, ist ein anhaltend großes Interesse an lithostratigraphischen Definitionen zu verzeichnen. Im Rahmen der SKQ-Sitzung stellte Andreas Lenz (Krefeld) drei Definitionen aus dem Gebiet der Niederrheinischen Bucht vor, die von Georg Schollmayer (Krefeld) erarbeitet worden sind. Eine ausführliche Diskussion erfolgte auch zu einer neuen Formation aus dem nordischen Vereisungsgebiet, die von Hans-Jürgen Stephan (Kiel) definiert und vorgestellt wurde. Sämtliche Definitionen wurden von der SKQ zur Veröffentlichung im LithoLex freigegeben. Dies sind dann die:

 

  • Niederrhein-Hauptterrassen-Formation,
  • Niederrhein-Mittelterrassen-Formation
  • Niederrhein-Niederterrassen-Formation und
  • Osterby-Formation

 

Von Reinhard Lampe (Greifswald) wurde ein Konzept sowie vier lithostratigraphische Definitionen zum Küstenholozän in Mecklenburg-Vorpommern vorgestellt. Die vier Definitionen: Greifswald-, Darß-, Redentin- und Usedom-Formation wurden im Rahmen der Sitzung diskutiert und werden im Umlaufverfahren zur Abstimmung gestellt.

 

In einigen Kurzvorträgen wurde über aktuelle Forschungsarbeiten im Bereich der Quartärstratigraphie berichtet. Herr Bittmann informierte über acht Pollenproben, die aus der Forschungsbohrung Rodderberg südlich von Bonn stammen. Der Rodderberg ist der nördlichste Vulkan des quartären Osteifelvulkanismus. Die von Bernd Zolitschka (Bremen) zur Verfügung gestellten Proben weisen eine sehr hohe Pollenkonzentration auf. Vermutlich drei Interglaziale in Superposition konnten dort bisher nachgewiesen werden. Da dieses Profil ein hohes wissenschaftliches Potenzial aufweist, sollen weitere Untersuchungen folgen.

 

Neue Ergebnisse von U/Th-Datierungen an Torfen aus dem Eem-Interglazial in SW-Mecklenburg“ wurden kurz von Andreas Börner (Greifswald) vorgestellt. Ulrike Wielandt-Schuster (Freiburg) stellte den Stand der in Baden-Württemberg geplanten Forschungsbohrungen im Projekt „Drilling Overdeepened Alpine Valleys“ vor, die vom LIAG finanziert werden sollen. Bei den Bohrungen liegt das Hauptaugenmerk auf neuen geophysikalischen Messmethoden. Birgit Terhorst (Würzburg) berichtete unter dem Titel „Was ist der Lohner Boden?“ über neueste Untersuchungen zur Genese des Lohner Bodens. Eine wichtige Erkenntnis aus den neuen Arbeiten ist, dass der Lohner Boden als Leithorizont nur in Profilen mit niedriger Sedimentationsrate anzuwenden ist. Über den aktuellen Stand der 2010 abgeteuften ICDP-Forschungsbohrung im Vansee (Türkei) informierte Thomas Litt (Bonn). Die Ergebnisse, insbesondere des 600.000 Jahre umfassenden Pollenprofils, wurden erläutert. Detaillierte Resultate der gesamten Bandbreite der Untersuchungen finden sich in einem Themenband zum Vansee, der noch 2014 in Quaternary Science Reviews erscheinen wird.

 

Die Exkursion zu Terrassenablagerungen am unteren Mittelrhein wurde von Manfred Frechen (Hannover), Christian Hoselmann und Michael Weidenfeller geleitet. Der erste Exkursionspunkt war am Hartmannshof östlich von Rheinbrohl. Dort wurde an einem Aussichtspunkt die geologische Entwicklung des unteren Mittelrheins im Tertiär und Quartär dargestellt. Ein in der Nähe vorhandener zweigeteilter Aufschluss zeigt unten fluviatile, unterpleistozäne Sedimente des Rheins und darüber solifluidal umgelagerte Terrassensedimente. In der Aufgrabung am ehemaligen Mannesmannaufschluss östlich von Bad Hönningen sind Sedimente der älteren Hauptterrasse mit den Hönninger Sanden aufgeschlossen. Die Hönninger Sande können vermutlich mit der Viernheim-Formation am nördlichen Oberrheingraben sowie der Haupt-Mosbach-Subformation im Mainzer Becken korreliert werden. Das große Kiesgrubengelände oberhalb von Kasbach-Ohlenberg schließt gut 10 m mächtige Sande und Kiese der jüngeren Hauptterrasse auf. Charakteristisch ist eine Zweiteilung des fluviatilen Sedimentkörpers. Das Profil wird durch mehrere Meter mächtige Schwemmlössablagerungen abgeschlossen, die wahrscheinlich in der Weichsel-Kaltzeit akkumuliert worden sind. C. Hoselmann erläuterte in allen drei Aufschlüssen die Schwermineralverteilungen in der Sandfraktion; diese bilden ein wichtiges petrographisches Kriterium zur Differenzierung der einzelnen fluviatilen Aufschüttungen im Rheingebiet. In der Kiesgrube oberhalb von Ariendorf sind derzeit noch fluviatile Terrassensedimente der mittleren Mittelterrasse des Rheins aufgeschlossen. Einmalig ist im derzeitigen Abbaustand, dass die Terrassenbasis großflächig aufgeschlossen ist und somit die fluviatilen Erosionsformen auf dem devonischen Grundgebirge studiert werden können. Die morphologischen Formen lassen erahnen, dass der Rhein in diesem Bereich in schmalen Rinnen in Stromschnellen geflossen ist. In einer fluviatilen Rinne wurden von Herrn Frechen Proben für OSL-Datierungen genommen. Der Aufschluss in Ariendorf ist weiterhin für seine differenzierte Löss- und Paläobodenabfolge bekannt.

 

Die nächste SKQ-Sitzung wird 2015 in Würzburg stattfinden.

 

 Christian Hoselmann (Wiesbaden)

26. AGAQ-Tagung vom 25.–27. April 2014 im Wiener Becken

Erläuterungen von Philipp Häuselmann zu kosmogenen Isotopen in einer Kiesgrube der Gänserndorfer Terrasse. Foto: M. Fiebig
Erläuterungen von Philipp Häuselmann zu kosmogenen Isotopen in einer Kiesgrube der Gänserndorfer Terrasse. Foto: M. Fiebig

Die diesjährige Tagung der Arbeitsgemeinschaft Alpenvorlandquartär (AGAQ) fand auf Einladung von Markus Fiebig und Christopher Lüthgens an der Universität für Bodenkultur (BOKU) in Wien sowie in Orth an der Donau im niederösterreichischen Marchfeld statt.

Der Freitagnachmittag stand ganz im Zeichen einer kleinen Feierstunde zum 10-jährigen Jubiläum der Quartärgeologie an der BOKU Wien. Nach einer sehr herzlichen Begrüßung durch den Rektor der Universität Magnifizenz Martin Gerzabek führte Sabine Grupe (Wiener Gewässer Management) auf sehr ansprechende Art und Weise in die Grundwasserverhältnisse im Untergrund der Stadt Wien ein. Dabei stand das spektakuläre Schwechat-Tief am Stadtrand von Wien im besonderen Fokus des Vortrags.
Ruth Drescher-Schneider (Graz) gab einen Überblick zur palynologischen Gliederung der Ostalpen beginnend im Mittelpleistozän. Hierbei brachte sie insbesondere auch aktuelle Neukorrelationen ins Gespräch, von denen besonders die Vorschläge zur Stellung des Holstein-Interglazials spannende Diskussionen auslösten.
Philipp Häuselmann (Schweizer Institut für Späleologie und Karstforschung) betrachtete in seinem Vortrag die Nutzung kosmogener Isotope zur Datierung von Höhlen. Die Eintiefungsgeschichte alpiner Täler, die sich aufgrund dieser Daten genauer rekonstruieren lässt, wirft ein neues Bild auf die morphologische Entwicklung – insbesondere die Hebung und Einschneidung – in den Alpen.
Christopher Lüthgens (BOKU Wien) gab einen Überblick über die vielfältigen Möglichkeiten, wie mit Hilfe von Optisch Stimulierten Lumineszenz Datierungen (OSL) neues Licht in die Landschaftsgeschichte gebracht werden kann. Dabei schilderte er Kooperationen des Wiener Labors für Lumineszenzdatierungen (gemeinsam betrieben von den Universitäten BOKU Wien und Universität Wien) mit einer Reihe von nationalen und internationalen Projektpartnern.
Christian Schlüchter (Universität Bern) stellte pointiert grundsätzliche Fragen zum Forschungsfeld der Quartärgeologie und Paläoklimatologie. Er betonte, dass selbst die großen Zusammenhänge, z.B. warum der Planet Erde überhaupt solche Phänomene wie Eiszeiten zeigt, bis heute in vielen Punkten noch weitgehend unverstanden sind.
Am Samstagmorgen startete bei zunächst noch recht ungünstigem Wetter die Exkursion ins Marchfeld. Zusammen mit Kurt Decker, Maria Heinrich, Esther Hintersberger und Jürgen Reitner führte Markus Fiebig in die quartäre Landschafts- und Donauflussgeschichte ein. Aufgrund von großen sedimentologischen Lücken, die im Laufe der Landschaftsgeschichte in Erosionsphasen gerissen wurden, ist die Flussgeschichte der Donau nur sehr unvollständig rekonstruierbar. Vom Bisamberg aus – weit über dem heute von der Donau benutzen Klosterneuburger Donau-Durchbruch gelegen – bewegte sich die Exkursion über die Terrasse von Sierning (Terrassensockel 17 m über Donau) auf die morphologisch als Hochterrasse eingestufte Gänserndorfer Terrasse. Dort wurden die Exkursionsteilnehmer von der Firma Haindl (Markgrafneusiedl) begrüßt und in die Technik der Kiesgrubenrekultivierung mit Hilfe der Anpflanzung von Aronia Beeren eingeführt. Bei einem anschließenden Imbiss konnte die besondere Qualität dieser Beeren ausführlich getestet werden. In Markgrafneusiedl wurde dann mit herrlicher Aussicht bei schönstem Wetter von einem ehemaligen Wehrkirchen- bzw. Windmühlen-Turm aus die Schlacht gegen Napoleon durch Herrn Prenner aus Markgrafneusiedl sehr lebendig und anschaulich erläutert. Auch im Krieg hatte die Morphologie der quartären Terrassen offenbar eine größere Rolle gespielt.
Anschließend stellten Kurt Decker und Esther Hintersberger ihre umfangreichen Untersuchungen zu morphologisch sichtbaren tektonischen Bewegungen bei Markgrafneusiedl und insgesamt im Wiener Becken vor. Die relativ gesehen abgesenkten Elemente des Obersiebenbrunner und Lasseer Beckens wurde anschließend durch die Exkursion überquert, um im Bereich der Schlosshof-Terrasse bei Breitensee erneut spiegelbildlich entsprechende Morphologie-Elemente und Tektonik zu erkennen. Es konnte dabei hervorragend demonstriert werden, dass die quartären Terrassen im Wiener Becken in Höhenlage und Form durch tektonische Bewegungen maßgeblich mitgestaltet wurden.
Nach Abendessen und Quartierbezug in Orth a. d. Donau stand dann ein weiterer Vortragsabend im Schloss Orth auf dem AGAQ-Programm. Bernhard Lempe (TU München) führte gekonnt in die Verhältnisse im bayerischen Ronsberg und Obergünzburg ein. Dort sind Terrassenkreuzungen der quartären Flussläufe von besonderer Bedeutung. Margot Böse (Freie Universität Berlin) zog in einer inspirierenden Rede einen Bogen durch die Moränenlandschaften südlich von Berlin und betonte die Rolle von numerischen Datierungen bei der Neuinterpretation von quartären Landschaftselementen. Esther Hintersberger (Universität Wien) ließ die tektonischen Befunde von der Tagesexkursion noch einmal aufleben und lieferte weitere Antworten zu den Fragen des beeindruckten Publikums. Mathias Bichler (Geologische Bundesanstalt Wien) brachte die spätglaziale Geschichte von Bergstürzen und Vergletscherungen im Rauristal unterhalb des Sonnblicks in eine plausible Abfolge. Lukas Bickel konnte dann am späteren Abend auch noch zum Abschluss die Zuhörer mit seinen Untersuchungen im oberösterreichischen Ybbs-Tal in den Bann ziehen. Auf der Basis seiner OSL-Datierungen ergaben sich völlig neue Befunde zur Flussgeschichte im Ybbs-Tal. Lebhafte Diskussionen kennzeichneten den Vortragsabend bis zu seinem Ende gegen 23 Uhr.
Am nächsten Morgen startete die Exkursion zunächst ins Nationalparkzentrum in Orth. Nach dem malerischen Au-Theater wurden ein Zeitreisetisch und ein begehbares Luftbild des Nationalparkgebiets besucht. Auch für Fachleute ist das Nationalpark-Zentrum einen Besuch wert. Danach konnte auf dem Rückweg nach Wien noch die holozäne Terrassenstratigraphie begutachtet und als Abschluss der Tagung das spektakuläre Schwechat-Tief – bekannt aus dem ersten Vortrag am Freitagnachmittag – besucht werden.
Die AGAQ 2014 endete gegen Mittag und hat einmal mehr einen interessanten Bogen durch die regionale Quartärgeologie einer Alpenlandschaft aufgezeigt. Die AGAQ-Tagung 2015 wird voraussichtlich vom 1.-3.2005 stattfinden. Näheres z.B. zum Tagungsort findet sich ab Anfang 2015 auf der Homepage der AGAQ: http://www.baunat.boku.ac.at/agaq.html.
Markus Fiebig & Christopher Lüthgens (Wien)

Bericht zur gemeinsamen Jahrestagung 2014 der Arbeitsgruppe Paläopedologie und des Arbeitskreises Geoarchäologie in Aachen

Eine Boden-Sediment-Abfolge in der archäologischen Grabung (Niersaue).
Eine Boden-Sediment-Abfolge in der archäologischen Grabung (Niersaue).

Die diesjährige Tagung der Arbeitsgruppe Paläopedologie fand zum dritten Mal gemeinsam mit dem Arbeitskreis Geoarchäologie statt und war deshalb eine sehr gut besuchte Veranstaltung. Die Tagung erfolgte auf Einladung von Prof. Dr. Frank Lehmkuhl (Aachen) und Prof. Dr. Renate Gerlach (Bonn).

Eine eintägige, gut ausgelastete Exkursion in Richtung Niederrhein wurde direkt zu Beginn der Tagung durchgeführt, während das Tagungsprogramm an den beiden nachfolgenden Tagen stattfand.
Die Exkursion, welche von Renate Gerlach und Frank Lehmkuhl geführt wurde, hatte einen geoarchäologischen Schwerpunkt. Nach einer physisch-geographischen Einführung in den Exkursionsraum wurde eine Grabungsstelle in der Niersaue (Mönchengladbach-Geneicken) mit ihren archäologischen Befunden präsentiert und die generelle Besiedlungsgeschichte der Region erläutert. Weiter ging es zum „Ayers Rock des Niederrheins“, zum Liedberg, bei dem es sich um einen Zeugenberg aus stark verfestigten miozänen Quarzit handelt, welcher durch Erosion besonders eindrucksvoll aus der Umgebung herauspräpariert wurde und eine abwechslungsreiche Besiedelungsgeschichte erlebte. Die archäologische Grabung Rommerskirchen-Gewerbepark V stellte den dritten Exkursionspunkt dar. Die Lokalität befindet sich in einer flachwelligen Lössebene, die durch Parabraunerden und korrelate Bodensedimente gekennzeichnet wird. Die weitere Fahrt zum Braunkohletagebau wurde durch eine Panne jäh unterbrochen. Die Besatzung von sechs Feuerwehrfahrzeugen musste ihren Vatertag unterbrechen, um den im Radkasten brennenden Bus zu löschen und herunter zu kühlen.
Nichtdestotrotz und unerschrocken setzte die Gruppe mit einem Ersatzbus die Fahrt zum Tagebau Inden fort. Von einem Aussichtspunkt bot sich ein imposanter Einblick in den Abbaubereich. Im Bereich der verlassenen Ortschaft Pier wurde zum Abschluss ein langer Graben besichtigt, der einen Querschnitt durch einen ehemaligen Bachlauf mit den dazugehörigen Auensedimenten bot. Nach der Ankunft in Aachen ging es direkt zur Ice-Breaker-Party in eine Altstadt-Lokalität.
Der Tagungsblock umfasste insgesamt 28 Vorträge und ca. 40 Posterbeiträge. Das Vortragsprogramm gliederte sich in einen ersten Block (Freitag) mit überwiegend geoarchäologisch geprägtem Tenor. Der zweite Vortragsblock am Samstagmorgen war dann der von der AGPP sehr ersehnte paläopedologische Abschnitt der Veranstaltung.
Das umfassende Vortrags- und Posterprogramm beschäftigte sich in der Hauptsache mit Fallstudien, die insbesondere von Nachwuchswissenschaftlern präsentiert wurden. Viele der vorgestellten Beiträge zeigen interdisziplinäre und neue methodische, häufig multi-methodologische Forschungsansätze. Die Tagung in Aachen war auch durch ein einsatzfreudiges, engagiertes Team ein Erfolg.
Die Arbeitsgruppe Paläopedologie wird sich erfreulicherweise im Jahr 2015 einmal wieder im Norden treffen, und zwar an der Universität Vechta (14.-16.5.2015). Hier werden neu begonnene Untersuchungen zur Boden- und Paläobodenentwicklung, zu quartären Sedimenten und zur Landschaftsentwicklung in den saalezeitlichen Gebieten der Dammer Berge und in den aktiven Abbaugruben der näheren Umgebung vorgestellt. Die Tagung findet unter der Leitung von Bodo Damm, Vechta, statt. Fachlich beteiligt sind u. a. Peter Felix-Henningsen, Manfred Frechen und Birgit Terhorst. Es sei bereits an dieser Stelle darauf hingewiesen, dass wir in Vechta einige grundsätzliche Dinge über die zukünftige Ausrichtung der Arbeitsgruppe besprechen möchten.
Für das Jahrestreffen in 2016 liegt ein Angebot von Michael Kösel vor, der uns die Paläoböden in der Umgebung von Ulm näher vorstellen möchte.
Birgit Terhorst, Tobias Sprafke (Würzburg) & Heinrich Thiemeyer (Frankfurt/Main)

 

Kostenlose Printausgaben von Eiszeitalter und Gegenwart

Seit 2010 steht der gesamte Artikelbestand des ehemaligen Jahrbuches "Eiszeitalter und Gegenwart" und der heutigen Zeitschrift "E&G Quaternary Science Journal" zum kostenlosen Download in digitaler Form zur Verfügung. Ab sofort besteht auch die Möglichkeit ältere Printausgaben kostenlos zu erhalten. Es wird lediglich eine Versandkostenpauschale von 3 € je Ausgabe erhoben.

Der Vorstand der Deutschen Quartärvereinigung hat auf seiner letzten Sitzung dieses Angebot beschlossen, um auch jenen Interessenten den einfachen Zugang zu Fachinformationen zu ermöglichen, die das gedruckte Format bevorzugen. Das Angebot beinhaltet die lieferbaren Ausgaben bis einschließlich Nummer 59 und richtet sich auch an Nicht-Mitglieder und Institutionen. Es gilt so lange der Vorrat reicht. Die aktuellen Printausgaben von "E&G Quaternary Science Journal" sind demgegenüber weiterhin nur für DEUQUA-Mitglieder kostenlos.

Verfügbare Nummern und deren Themen lassen sich auf der Seite www.quaternary-science.net recherchieren.

Senden Sie ihre Bestellung bitte unter Angabe der Ausgaben-Nummern und Ihrer Anschrift via Mail direkt an: info@geozon.net oder per Post an: Geozon Science Media, Pettenkoferstr. 16, 10247 Berlin.

 

Walter Grottenthaler 1941 – 2014

Dr. Walter Grottenthaler wurde 1941 in Freising geboren und wuchs kriegsbedingt ohne Vater auf. Sein Studium der Geologie an der Technischen Universität München schloss er 1968 mit einer Diplomarbeit und 1971 mit einer Dissertation in den Nördlichen Kalkalpen erfolgreich ab. Seine berufliche Laufbahn begann er daraufhin am Institut für Bodenkunde und Standortlehre der Forstlichen Forschungsanstalt in München.

 

Dort mündete die enge Zusammenarbeit mit Prof. W. Laatsch in einige viel beachtete Publikationen über Massenbewegungen in den Alpen.

Im Jahr 1973 wechselte Walter Grottenthaler dann ans Bayerische Geologische Landesamt in München, und zwar in die Abteilung Bodenkunde. Hier beschäftigte er sich zunächst mit bodenphysikalischen Fragestellungen und dem Bereich der Bodenerosion. Im Rahmen der Geologischen Landesaufnahme nahm er einige Blätter der Geologischen Karte von Bayern 1:25.000 auf. Seine Erfahrung in der Kartierung mündete in erste bodenkundliche Kartenwerke mit standardisierter Legende, eine Pionierleistung, die heute Voraussetzung für die Übernahme bodenkundlicher Karteninhalte in geographische Informationssysteme ist. Seit 1993 bis zu seinem Eintritt in den Ruhestand im Jahr 2005 leitete er die Abteilung Bodenkunde.

Walter Grottenthaler war an zahlreichen Publikationen beteiligt und arbeitete in unterschiedlichen Fach-Arbeitsgruppen. Als Mitglied der Ad-hoc-AG Boden des Bund-Länder-Ausschusses Bodenforschung galt sein Einsatz mehreren Auflagen des weit verbreiteten Standardwerks „Bodenkundliche Kartieranleitung“. In zahlreichen weiteren geowissenschaftlichen Vereinigungen und Arbeitskreisen wirkte er darüber hinaus aktiv mit. In der Deutschen Bodenkundlichen Gesellschaft widmete er sich besonders den Arbeitskreisen für Paläoböden und für Bodensystematik. Im Letzteren war er zeitweise als Vorsitzender tätig. Dies war auch mit seiner Mitarbeit in der Unterarbeitsgruppe Kartierausschuss der Arbeitsgruppe Bodenkataster des Direktorenkreises der Staatlichen Geologischen Dienste verbunden. In der Deutschen Quartärvereinigung engagierte er sich in der Arbeitsgemeinschaft Alpenvorland-Quartär, war weiterhin korrespondierendes Mitglied der Subkommission Quartär der Deutschen Stratigraphischen Kommission und arbeitete in der Subkommission für Europäische Quartärstratigraphie der Internationalen Quartärvereinigung mit.

Zudem war Walter Grottenthaler auch an der Technischen Universität München in der Lehre tätig. Dort vermittelte er den Studierenden mittels Vorlesungen, Übungen und Exkursionen grundlegendes Wissen über die Bodenkunde. Auch im Ruhestand blieb er den Geowissenschaften eng verbunden. Dem Münchner Verein „Freundeskreis der Geologischen Staatssammlung“ diente er als zweiter Vorsitzender, verfasste in diesem Rahmen Beiträge und leitete Exkursionen. Soweit es seine lange, schwere Krankheit zuließ, blieb er bis zu seinem Tod im Frühjahr 2014 aktiv.

Seinen Kollegen und Freunden bleibt die Erinnerung an sein hilfsbereites, freundliches Wesen, seine ruhige, überlegte Art als Vorgesetzter, seine offene, unvoreingenommene Diskussionsbereitschaft, sein umfangreiches Wissen und sein bescheidenes Auftreten. Die zur Beisetzung am Freisinger Waldfriedhof versammelten mehr als zweihundert Angehörigen, Freunde und Kollegen aus ganz Deutschland belegen die hohe Wertschätzung, die er sowohl fachlich als auch menschlich genoss.

Gerhard Doppler, Walter Martin (Augsburg) & Markus Moser (München)