Mitteilungen - Archiv 2013


Subkommission Quartär – Sitzung in Bad Freienwalde

Christopher Lüthgens erläutert bei Althüttendorf die Sanderablagerungen der Pommerschen Eisrandlage. Foto: C. Hoselmann
Christopher Lüthgens erläutert bei Althüttendorf die Sanderablagerungen der Pommerschen Eisrandlage. Foto: C. Hoselmann

Mitte April 2013 hat sich die Subkommission Quartär (SKQ) der Deutschen Stratigraphischen Kommission zu ihrer jährlichen Sitzung in Bad Freienwalde rund 70 km nordöstlich von Berlin getroffen. Die Sitzung wurde von Margot Böse (Berlin) und Christopher Lüthgens (Wien) organisiert. 19 Mitglieder der SKQ haben an dem zweitägigen Treffen teilgenommen. Die Sitzung leitete der Vorsitzende der SKQ Felix Bittmann (Wilhelmshaven), der über die Arbeiten der Kommission berichtete. Christian Hoselmann (Wiesbaden) stellte den Stand zum Lithostratigraphischen Lexikon (LithoLex) vor, in dem zwischenzeitlich 58 quartäre Datensätze enthalten sind (www.bgr.de/app/litholex). Michael Weidenfeller (Mainz) erläuterte zwei neue Definitionen aus dem Mittelrheingebiet: die Mittelrhein-Mittelterrassen- und -Niederterrassen-Formation. Diese wurden zur Aufnahme im LithoLex freigegeben und sind zwischenzeitlich auch online verfügbar.

In einem Kurzvortrag berichtete Herr Bittmann über den Stand der Anthropozän-Diskussion. International ist in die Anthropozän-Frage Bewegung gekommen, da die „Subcommission on Quaternary Stratigraphy“ eine Arbeitsgruppe mit dem Titel „What is the 'Anthropocene'? - current definition and status“ eingerichtet hat. Ergebnisse der Arbeitsgruppe sollen bis 2016 vorliegen.

Stefan Wansa (Halle/Saale) erläuterte die aktualisierte Tabelle zur Gliederung der Weichsel-Kaltzeit. An diese Vorstellung schloss sich eine ausführliche Diskussion an. Die vorgestellte Untergliederung der Weichsel-Kaltzeit soll als Vorschlag bestehen bleiben und neue Ergebnisse berücksichtigen. Weiterhin stellte Herr Wansa die Forschungsbohrung im Ummendorfer Kessel (Sachsen-Anhalt) vor, bei der eine gut 70 m tiefe Kernbohrung quartäre Sedimente bis zur Basis der Elster-Grundmoräne erbohrt hat. Verschiedene geologische sowie geophysikalische Untersuchungen an den Kernen werden folgen. Daniel Richter (Bayreuth) präsentierte in einem Zwischenbericht erste Ergebnisse des DFG Projekts „Chronologie und Geomorphologie des mitteleuropäischen quartären Vulkanismus – pulsierende Hot Spot-Finger“ und zeigte erste Ergebnisse von Lumineszenzdatierungen aus dem Gebiet der Osteifel. Ein Projekt zu 10Be-Expositionsdatierungen von Großgeschieben im Bereich des Pommerschen Eisvorstoßes stellte Andreas Börner (Güstrow) vor. Die Deglaziationszeit der Pommerschen Eisrandlage wird mit 17,5-18 ka angegeben. Nun soll noch die Deglaziationszeit der Brandenburger und Frankfurter Eisrandlage in Mecklenburg-Vorpommern datiert werden. Herr Börner teilte mit, dass neue Berechnungen der Produktionsraten von 10Be eine Erhöhung der Alter von rund 10 % zur Folge haben.

Am zweiten Tag der SKQ-Sitzung führten Margot Böse und Christopher Lüthgens die Teilnehmer in drei Aufschlüsse zwischen der Frankfurter und Pommerschen Eisrandlage. Die Exkursionspunkte wurden auch detailliert in der Arbeit „Exkursion C – Ice marginal positions of the Last Glacial Maximum (LGM) in north-eastern Germany“ beschrieben, die als PDF kostenlos im Internet bezogen werden kann (www.geozon.info/publikationen/b%C3%BCcher).

Am ersten Exkursionspunkt bei Vevais am westlichen Rand des Oderbruchs – rund 15 km südlich von Bad Freienwalde – erläuterte Herr Lüthgens die Eisrandlagen im Weichselvereisungsgebiet NE-Deutschlands. Im Aufschluss stehen limnisch bis fluviatil-glazifluviatile Schluffe und Sande des Saale-Komplex an, auf denen mehrere Meter mächtige limnische Sedimente mit Seekreiden aus der Eem-Warmzeit folgen. Im Hangenden sind weichselzeitliche glazifluviatile-fluviatile Ablagerungen aufgeschlossen.

Im Kies- und Sandabbaubetrieb östlich von Althüttendorf sind derzeit die Sanderablagerungen der deutlich geschichteten Sande und kiesigen Sande der Pommerschen Eisrandlage aufgeschlossen. Die hangenden Schichten sind nur teilweise zu beobachten; im oberen Teil des Profils mit laminierten Schluffen und Tonen sind häufig Kryoturbationserscheinungen zu erkennen. Der letzte Halt der Exkursion war der Aufschluss Macherslust am östlichen Stadtrand von Eberswalde am nördlichen Rand des Eberswalder Urstromtals. Aufgeschlossen sind hier gut drei Meter mächtige, laminierte glazilakustrine Schluffe und Tone, die zum Teil durch subaquatische Rutschungen gestört sind. Die Datierungen mittels OSL ergaben ein Akkumulationsalter von rund 15 ka.
Die nächste SKQ-Sitzung wird vom 8.-9. Mai 2014 in Bad Hönningen (Rheinland-Pfalz) stattfinden.

Christian Hoselmann (Wiesbaden)

Norddeutsche Geologen trafen sich in Krefeld

Briefmarke des Geologischen Dienstes NRW Abbildung: GD NRW
Briefmarke des Geologischen Dienstes NRW Abbildung: GD NRW

Der Geologische Dienst Nordrhein-Westfalen war vom 21. bis 23. Mai Treffpunkt von über 100 Experten aus vielen geowissenschaftlichen Forschungszweigen. Sie kamen zur 78. Tagung Norddeutscher Geologen in den Geologischen Dienst nach Krefeld, um sich über die praxisrelevanten Fragen und aktuellen Bezüge innerhalb der Geowissenschaften auszutauschen. Seit vielen Jahren steigt der Bedarf an Daten oder Stellungnahmen. Das verdeutlichen die Diskussionsbegriffe Fracking, Endlagerung, Trassenplanung, alternative Energien, unterirdische Raumplanung und Schlichtungsstellen. Der länder- und fachgebietsübergreifende Expertenaustausch ist eine wichtige Grundlage und Fortbildung, die vielen Pressemeldungen zu bewerten.

Die Tagungsleitung hatte ein Programm mit Vorträgen, Posterausstellung und wissenschaftlichen Exkursionen zusammengestellt, das von modernen Verfahren der Datenerhebung und -darstellung bis hin zu aktuellen Geothemen reichte.

Der erste Themenblock widmete sich der Kartierung. Die Datenerhebung von unterschiedlichen Gesteinen und Böden in NRW ist die Basis für analoge und digitale Produkte. Die gute methodische Arbeit bleibt im Gelände auch im Computer-Zeitalter unentbehrlich. Fortentwickelte Methoden liefern die unverzichtbaren Basisdaten für die Computerauswertungen.

Einen entsprechend breiten Raum nahm daher auch die dreidimensionale Konstruktion des geologischen Untergrundes am PC ein. 3D-Modelle machen das räumliche Gefüge der verschiedenen Gesteinsschichten und der tektonischen Elemente verständlicher. Geologen leiten zum Beispiel Entstehungsprozesse ab oder können die im Untergrund ablaufenden Szenarien bewerten. Mittlerweile haben die 3D-Modelle eine große wirtschaftliche Bedeutung. Die Fachleute nutzen sie bei der Suche nach alternativen Energien, wichtigen Rohstoffen oder nach Grundwasser. Die mögliche Ausbreitung von Schadstoffen im Untergrund kann mit Hilfe der Modelle vermindert werden und zu Lösungen beitragen.

Die Teilnehmer erfuhren auch Neues über die regionale Geologie Niedersachsens, Schleswig-Holsteins und Nordrhein-Westfalens – eine Reise durch 385 Millionen Jahre Erdgeschichte, von den Ablagerungen des jüngsten Eiszeitalters bis zum Massenkalk der Devon-Zeit.

Ein Highlight war die vom Geologischen Dienst NRW entwickelte Briefmarke, die anlässlich der Tagung herausgegeben wurde. Der Prototyp stellt ein Podsol-Bodenprofil aus dem Münsterland dar. Der Versuch eine Briefmarke mit geowissenschaftlichen Hintergrund zu veräußern, stieß auf ein breites Echo. Bereits am Abend waren die 100 Stück ausverkauft.

Am zweiten Tagungstag gingen vier Exkursionen in die geologisch interessanten Regionen: Niederrheinische Bucht, Ruhrgebiet, Münsterland und Bergisches Land – da störte das spätherbstlich anmutende Regenwetter nur wenig, auch wenn es im Bergischen Land sogar zu Schnee- und Graupelschauern kam.

Die Tagung hat gezeigt, dass die sich schnell entwickelnde Informationstechnik den Geowissenschaftlern neue Möglichkeiten eröffnet, die Daten über den Untergrund immer besser und verständlicher für die Anwender aufzubereiten. Die Diskussionen und intensiven Gespräche zwischen den Fachkollegen sind für alle Teilnehmer gewinnbringend. Neue Ideen und Anregungen werden über die Arbeitsstelle bis zu den Kunden weitergereicht, die von diesem Austausch profitieren. Viele Kollegen wollen sich in zwei Jahren zum Fachgespräch in gleicher guter Atmosphäre wiedertreffen. Die seit 1927 stattfindende Tagung der Arbeitsgemeinschaft Norddeutscher Geologen wird zur 79. Tagung 2015 in Güstrow in Mecklenburg-Vorpommern stattfinden.

Klaus Steuerwald (Krefeld)

Internationale Tagung zur Bodendynamik und Paläoökologie an der Universität Vechta

Teilnehmerinnen und Teilnehmer des „Symposium and Field Workshop on Soil Dynamics and Paleoecology in Middle to Late Quaternary Landscapes“ an einer spätglazialen Düne. Foto: S. Döhler
Teilnehmerinnen und Teilnehmer des „Symposium and Field Workshop on Soil Dynamics and Paleoecology in Middle to Late Quaternary Landscapes“ an einer spätglazialen Düne. Foto: S. Döhler

Im Zeitraum vom 12. bis 15. Mai 2013 fand an der Universität Vechta das „Symposium and Field Workshop on Soil Dynamics and Paleoecology in Middle to Late Quaternary Landscapes“ statt. Auf Einladung von Prof. Dr. Bodo Damm (Universität Vechta) nahmen neben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus der Russischen Föderation Kolleginnen und Kollegen der Universitäten Dresden, Flensburg, Oldenburg und Würzburg sowie des Leibnitz-Instituts für Angewandte Geowissenschaften in Hannover teil. Die Veranstaltung war inhaltlich der Bodendynamik und Paläoökologie in den mittel- bis spätquartären Landschaften im Nordwesten Niedersachsens gewidmet und in einen Exkursions- sowie einen Vortragsteil gegliedert.

Im Fokus der von Bodo Damm und Susanne Döhler (Vechta) sowie Birgit Terhorst (Würzburg) geleiteten Exkursionen stand die natürliche und die durch den Menschen gesteuerte Boden- und Landschaftsdynamik innerhalb der saalezeitlichen Glaziallandschaft zwischen Dammer Bergen, Dümmer-Niederung und der südlich anschließenden Mittelgebirgsschwelle. Inhaltliche Schwerpunkte waren der Vergesellschaftung von periglazialen Lagen und Lössvorkommen sowie der Entwicklung von Paläoböden in weichselzeitlichen und spätglazialen Dünen und Flugsandfeldern gewidmet. Fossile Böden innerhalb der Abfolgen der äolischen Sedimente belegen im Exkursionsgebiet einen Wechsel von Aktivitäts- und Stabilitätsphasen seit der letzten Kaltzeit. Auch führte die intensivierte Landnutzung seit dem Mittelalter zu Bodenabtrag, der noch bis vor 100 Jahren die Reaktivierung von Dünen sowie massive Sandverwehungen zur Folge hatte. Die im Zusammenhang mit flächenhaftem Bodenabtrag in Nordwestdeutschland weit verbreitete Plaggenwirtschaft und die hieraus entstandenen mächtigen Eschböden stellten ein weiteres Thema der Exkursion dar. Die dreitägige Exkursion führte abschließend in das niedersächsische Küstengebiet. Hier wurde unter anderem das Niedersächsische Institut für Historische Küstenforschung in Wilhelmshaven besucht, dessen Arbeitsschwerpunkte vom Leiter des Instituts, Dr. Felix Bittmann, vorgestellt wurden. Einen Überblick über den aktuellen Forschungsstand zur Besiedlungs- und Kulturgeschichte des Niedersächsischen Wattenmeerraumes vermittelte in einem eindrucksvollen Vortrag Prof. Dr. Karl-Ernst Behre.

Die Vortragssitzung umfasste sieben Präsentationen, die sich mit Fragestellungen zu periglazialen Deckschichten, Paläoböden und Paläolandschaften, Datierungsaspekten sowie der Wirkung des Menschen auf die Bodenentwicklung befassten. Der Erläuterung des in Mitteleuropa entwickelten Konzepts der periglazialen Deckschichten sowie der Entwicklung eines Ansatzes zum Transfer des Deckschichtenkonzepts auf Bodenregionen in Russland war die Präsentation von Prof. Dr. Arno Kleber (Dresden) gewidmet. Dessen Vortag war gestützt auf umfangreiche Geländebefunde sowie Laborergebnisse von Bodenprofilen aus Mitteleuropa und Westrussland. Ebenfalls der Deckschichtenforschung gewidmet waren die Ausführungen von PD Dr. Christian Stolz (Flensburg). Mit der Verbreitung regionaltypischer Böden vor dem Hintergrund der Landschaftsgenese in den westrussischen Glaziallandschaften der Moskau- und Valdai-Vereisungsphasen befasste sich Dr. Alexander Makeev (Moskau). Im Fokus des Vortrags von Dr. Svetlana Sycheva (Moskau) stand die Analyse von Boden-Sediment-Archiven in Paläodepressionen im zentralrussischen Hochland. Des Weiteren befassten sich Prof. Dr. Luise Giani und Dr. Olga Kalinina (Oldenburg) mit den Eigenschaften und Funktionen sowie der Entwicklung von Plaggeneschen. Die quartäre Bodenentwicklung in den nahe den Eisrändern gelegenen ehemaligen Periglazialgebieten Nordosteuropas seit dem Isotopenstadium MIS 3 war Inhalt der Präsentation von Dr. Alexey Rusakov (Sankt Petersburg), Dr. Sergey Sedov (Mexico City) und Dr. Svetlana Sycheva (Moskau). Im abschließenden Vortrag ging Prof. Dr. Manfred Frechen (Hannover) auf Genauigkeit und Schwankungsbreite von Lumineszenzdatierungen sowie auf die Möglichkeiten und Grenzen der Korrelation von Löss-Paläoboden-Sequenzen mit Paläoklimakurven aus Eisbohrkernen ein.

Bodo Damm & Susanne Döhler (Vechta)

Paläoumwelt-Projekt im Mittleren und Hohen Atlas (Marokko)

See Sidi Ali im Mittleren Atlas Foto: O. Sturm
See Sidi Ali im Mittleren Atlas Foto: O. Sturm

Paläoumwelt-Projekt im Mittleren und Hohen Atlas (Marokko)

 

Im September 2012 wurden aus dem See Sidi Ali im Mittleren Atlas Marokkos neue Seesedimentsequenzen erbohrt. Eine Arbeitsgruppe aus Deutschland, Großbritannien, Belgien und Marokko der Universitäten Leipzig, Potsdam, Manchester und Gent sowie des Institut National de Service Archaeologique et Patrimoine (Rabat) erbohrten mit einem UWITEC-Bohrgerät einen 20 Meter langen Kern vom südwestlichen Teil des Sees (38 Meter Seetiefe) und zwei 9 Meter lange Kerne von einem flacheren Bereich in 10 Meter Wassertiefe. Die Auswahl der Bohrlokalitäten erfolgte nach einer seismischen Prospektion.

Seismische Prospektionen und Kurzkernsondagen wurden auch an den Seen Tislit, Isli und Afourgagh im Hohen und Mittleren Atlas durchgeführt, um weitere UWITEC-Bohrungen vorzubereiten. Die Kampagne im September 2012 konzentrierte sich auf den See Sidi Ali, welcher vormals bereits von Prof. Henry Lamb (Universität Aberystwyth) und seiner Arbeitsgruppe in den 90er Jahren untersucht worden ist. Sie erbohrten damals einen 6 Meter langen Kern von einem flacheren Randsee des eigentlichen Sees und lieferten wichtige Pionierarbeiten zur mittel- und spätholozänen Seen- und Klimaentwicklung der Region. Unsere neuen Arbeiten zielen nun auf die Rekonstruktion der Klimaentwicklung des Hoch- und Spätglazials mit seinen abrupten Kälteeinbrüchen in der mediterranen-saharischen Übergangszone, auf die Rekonstruktion schneller Klimawechsel im Holozän (Holocene Rapid Climate Changes) sowie auf das Verständnis zum Einfluss des Menschen in der Region seit dem Epipaläolithikum/Neolithikum. Die Pilotphase des Projektes wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (Steffen Mischke und Christoph Zielhofer) sowie vom Natural Environment Research Council (NERC) (William Fletcher) gefördert.

Christoph Zielhofer (Leipzig), Steffen Mischke (Potsdam), William Fletcher (Manchester)

Bericht zur 32. Jahrestagung 2013 der Arbeitsgruppe Paläopedologie in Klink an der Müritz

Gruppenfoto vor einer sternförmigen Düne Foto: T. Sprafke
Gruppenfoto vor einer sternförmigen Düne Foto: T. Sprafke

Dr. Knut Kaiser vom GFZ Potsdam organisierte und leitete die diesjährige Tagung der Arbeitsgruppe Paläopedologie vom 9.5. bis zum 11.5.2013. Knut Kaiser hat mit seinen Mitarbeitern, hier ist insbesondere Mathias Küster zu nennen, und Kooperationspartnern in guter Tradition 1,5 Exkursionstage geführt und uns die spannenden und für viele Teilnehmer völlig neuen Forschungsstandorte und –themen umfassend erläutert. Das Exkursionsgebiet liegt im Bereich der mecklenburgischen Seenplatte und umfasst Teile der Pommerschen Haupteisrandlage sowie der Frankfurter Randlage des Weichselglazials. Im Rahmen der Exkursion wurden zwei Teillandschaften besucht: die Großseenlandschaft mit der Müritz und die Neustrelitzer Kleinseenlandschaft mit dem Großen Fürstenseer See und den Serrahner Bergen. Der erste Tag fand im Einzugsgebiet des Großen Fürstenseer Sees und im Müritz-Nationalparkteil Serrahn statt. Hier standen holozäne Paläoböden in Seeterrassen, Strandwällen und Dünen im Mittelpunkt der Präsentationen und Diskussionen. Des Weiteren wurden dort auch aktuelle Forschungsprojekte anhand der Themen Seegenese und Paläohydrologie, durchaus ungewöhnliche Themen für die Arbeitsgruppe, vorgestellt. Spätholozäne Bodenerosion sowie Paläoböden in kolluvialen Sequenzen, aber zusätzlich auch (u.a.) Präsentationen zur Vegetationsdynamik im Buchen-UNESCO-Weltnaturerbe-Gebiet Serrahn waren in den Exkursionsplan mit einbezogen und rundeten das Gesamtbild des außerordentlich interessanten Exkursionsgebietes ab. Die vorgestellten Forschungsarbeiten sind in das Projekt des regionalen TERENO-Monitoringvorhabens der Helmholtz-Gemeinschaft eingebettet. Das südliche Müritzgebiet war das Ziel des zweiten Exkursionstages, der in seinem ersten Abschnitt spätpleistozäne und holozäne Paläoböden in Flugsandsequenzen sowie äolische Dynamik umfasste. Der zweite Exkursionsabschnitt behandelte insbesondere die spätquartäre Paläohydrologie der Müritz, aber auch die spätholozäne Besiedlungs- und Vegetationsgeschichte sowie jüngste Landschaftsveränderungen im 20./21. Jahrhundert. Ein ausführlicher Exkursionsführer kann von der Internetseite der Arbeitsgruppe Paläopedologie unter www.dbges.de/wb/pages/arbeitsgruppen/palaeopedologie.php heruntergeladen werden.

Die Arbeitsgruppensitzung fand wie immer am Christi-Himmelfahrt-Donnerstag statt. Nach der Begrüßung durch die 1. Vorsitzende berichtete Daniela Sauer ausführlich über die Aktivitäten innerhalb der IUSS Paleopedology Commission. Auf der entsprechenden Internetseite gibt es ausführliche Informationen über Aktivitäten und Projekte im Newsletter. Der daran anschließende Vortrag von Susann Müller und Jürgen Heinrich lautete: ‚Wymoki – Pedologische und mikromorphologische Merkmale diskontinuierlich auftretender (Paläo-)Bodenphänomene in der Lösslandschaft nordöstlich von Krakau (Polen)‘ und zum Schluss haben Knut Kaiser und Mathias Küster in das Exkursionsgebiet eingeführt.

Insgesamt haben wir ein mit 30 Personen eher kleines, aber sehr diskussionsintensives und interessantes Jahrestreffen erlebt. Wir durften über das Fachliche hinaus, eine gut organisierte Veranstaltung in angenehmer Atmosphäre und außerordentlich schönen Landschafts- und Naturräumen erleben!

Für das Jahr 2014 ist wieder eine gemeinsame Tagung mit dem Arbeitskreis Geoarchäologie geplant. Die Tagung wird federführend von Prof. Dr. Frank Lehmkuhl und Prof. Dr. Renate Gerlach in Aachen durchgeführt werden.

Birgit Terhorst, Heinrich Thiemeyer, Knut Kaiser

Hangstabilität und Gefahrenzonen im nordbayerischen Schichtstufenland

Foto 1: Monitoring Sendestation, Rutschung am Hasenberg, Ebermannstadt Foto: D. Jäger
Foto 1: Monitoring Sendestation, Rutschung am Hasenberg, Ebermannstadt Foto: D. Jäger

Massenverlagerungen zählen zu den am häufigsten auftretenden Naturgefahren und insbesondere das nordbayerische Deckgebirge ist intensiv von Rutschungen betroffenen. Die Entstehung von Hangbewegungen wird maßgeblich von hydrologischen Parametern und damit von klimatischen Einflüssen gesteuert. Für die deutschen Mittelgebirge prognostizieren regionale Klimamodelle eine Erhöhung der Winterniederschläge, die für die Auslösung von Rutschungen maßgeblich wichtig sind.

Seit Anfang 2011 läuft am Institut für Geographie und Geologie der Universität Würzburg ein Forschungsprojekt über gravitative Massenverlagerungen an der Fränkischen Alb, der Frankenhöhe und im Steigerwald. Das Projekt hat zum Ziel, in ausgewählten Regionen Nordbayerns eine Übersicht über die Verbreitung von Rutschungen zu geben sowie Ursachen, Prozesse, Formen und mögliche Gefährdungen näher zu analysieren.

In der 1. Projektphase wurden geomorphologische Kartierungen durchgeführt und drei hydrologische Monitoringstationen in rezenten Rutschgebieten installiert. Bei den Kartierungen handelt es sich vorwiegend um Detailkartierungen, die Informationen über Geometrie, Formenschatz, Prozessabläufe, Aktivität und Ursachen von Massenverlagerungen liefern sollen. Im Zuge der hydrologischen Messungen werden Versickerungsraten und insbesondere das Verhalten der unterschiedlichen Gesteine und Sedimente bei Wasserzutritt ermittelt.

Die zweite Projektphase war zum einen der Beprobung von Rutschmassen und Sedimenten vor dem Hintergrund ihrer bodenmechanischen Eigenschaften geprägt. Zum anderen untersuchte das Würzburger Team die Entwicklungsstadien von Böden im Hinblick auf die Altersstellung ausgesuchter Rutschgebiete, hier stand insbesondere die Umgebung von Ebermannstadt im Vordergrund. Die Hangbereiche um Ebermannsstadt bieten Untersuchungsobjekte unterschiedlichen Alters von rezenten (Jahre 1957, 1961, 1979), über historische (Jahr 1625) bis hin zu pleistozänen Rutschmassen.

Im nun laufenden letzten Projektjahr werden mikromorphologische, prozessorientierte Untersuchungen an Rutschmassen durchgeführt sowie eine umfassende Datenbank mit zur Zeit ca. 300 Einzelereignissen aufgebaut und ausgewertet. Zudem werden klein- und großräumige GIS-Gefährdungsanalysen durchgeführt.

Birgit Terhorst & Daniel Jäger (Würzburg)

Foto 2: Rutschung Gailnauer Berg, Obergailnau, Frankenhöhe; Foto: D. Jäger
Foto 2: Rutschung Gailnauer Berg, Obergailnau, Frankenhöhe; Foto: D. Jäger

INTIMATE-Workshop on climate records in the Austrian and Swiss sectors of the Alpine region

Foto: Teilnehmer des Bludenz-Workshops
Foto: Teilnehmer des Bludenz-Workshops

16 Teilnehmer aus Österreich, Schweiz, Deutschland, Frankreich und Schweden trafen sich vom 5.-10.11.2012 in Bludenz (Vorarlberg) mit dem Ziel, die vorhandenen Proxy-Datenreihen aus dem österreichischen und Schweizer Anteil der Alpen zu kompilieren. Das Zeitfenster reichte vom frühen Holozän bis 60.000 Jahre vor heute, entsprechend der Vorgabe des INTIMATE Programmes, in dessen Rahmen dieses erste Treffen veranstaltet wurde. INTIMATE steht für INTegrating Ice core, MArine and TErrestrial records und ist eine EU-COST Action (ES0907; http://cost-es0907.geoenvi.org). Auf dem Workshop wurden die vorhandenen Zeitreihen der verschiedenen Archive (Gletscher, Seen, Höhlen und Löss) diskutiert und vereinbart, diese in einer Datenbank zusammenzuführen, sofern die Basisdaten (z.B. Altersdaten, Proxydaten) publiziert wurden. Ein Kurzbericht dieser Tagung findet sich hier: http://cost-es0907.geoenvi.org/attachments/article/86/Report%E2%80%A8.pdf

Diese Initiative wird heuer erweitert, auf die gesamten Alpen ausgedehnt und ein zweiter Workshop wird von Anfang Oktober 2013 in Obergurgl (Ötztaler Alpen) stattfinden. INTIMATE und INQUA-CECLAP bieten Tagungszuschüsse für Doktoranden und Jungwissenschaftler an. Info: http://cost-es0907.geoenvi.org/activities/intimate-events

Christoph Spötl (Innsbruck)